Weinland Italien erklärt

Weinland Italien erklärt in 3 Minuten

Wie erkläre ich einem Bekannten das Weinland Italien in drei Minuten? Genau diese Frage ergab sich für mich am vergangenen Wochenende. Franz, mein Nachbar, aus dem zweite Stock, klingelte an meiner Wohnungstür. „Andrea, Du musst mir helfen. Ich bekomme am Wochenende Besuch und koche italienisch. Es gibt Pasta mit Meeresfrüchten und danach Ossobuco. Jetzt bin ich auf dem Weg zum Supermarkt an der Ecke, um passenden Wein zu kaufen. Kannst Du mir zwei Weine empfehlen, die dazu passen und mir ganz kurz ein wenig über Italienische Weine erzählen? Ich mag mit der Geschichte zu den Weinen meine Gäste beeindrucken“ ergänzt er noch lächelnd, „und Du hast genau drei Minuten, dann muss ich weiter.“

Typisch, mit Weinwissen punkten wollen, sich aber für eine gute Beratung und Informationen keine Zeit nehmen, denke ich mir, versuche aber trotzdem ihm weiter zu helfen. „Du weißt schon, dass dies nahezu unmöglich ist. Bei der Ausbildung in meiner Sommelier-Schule in München haben wir für das Thema Italien mehrere Unterrichtsabende eingeplant. Weinbau gibt es nämlich in ganz Italien, 21 Weinregionen in 20 politischen Bezirken. Allein daran siehst Du schon welche Bedeutung Wein in Italien hat. Bereits die Griechen brachten Reben mit nach Süditalien, die Etrusker bauten Wein dann bereits in vielen Regionen auf der Fläche des heutigen Italiens an und die Römer brachten das Wissen um den Weinbau dann schließlich über die Alpen.

Weine aus Italien bei Winetory.net
Bild 1: Die italienische Nationalflagge

Auch heute gibt es in Italien noch 964 verschiedene, autochthone Rebsorten, also Rebsorten, die lediglich hier vorkommen. Aber nicht nur darin ist die Vielfalt in Italien wahnsinnig groß. Du hast mit dem Veneto, Trentino, Südtirol, der Lombardei, Piemont und Aostatal Regionen, die klimatisch sehr durch das alpine Klima geprägt werden. Du hast zahlreiche Weinregionen im Landesinneren wie Umbrien, große Teile der Toskana und der Emilia Romagna. Natürlich liegen viele Regionen, wie z.B. Marken, Abruzzen und Apulien am Meer und nicht vergessen darf man die Inseln, die wieder ein ganz besonderes Klima haben. Besonders zu nennen ist hier Sizilien, Weine von Sizilien erleben aktuell einen extremen Hype.

 

Beim Kauf kannst Du die Weine schon einmal grob durch die Qualifizierungen einschätzen. Die höchste Qualitätsstufe in Italien sind DOCG-Weine. DOCG steht für Denominazione di Origine Controllata e Garantita, also eine kontrollierte und garantierte Herkunftsbezeichnung. Aktuell gibt es in Italien 74 Weine mit diesem hohen Qualitätssiegel. Diesen folgen die DOC-Weine (Denominazione di origine controllata). Das sind 334 Weine mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung und als dritte Qualifizierung haben wir die IGT (Indicazione Geografica Tipica). Dies entspricht im Prinzip dem deutschen Landwein oder dem französischen Vin de Pays. Allerdings werden in Italien viele Weine als IGTs verkauft, die sehr hochwertig sind, wie die Supertuscans, die wegen der verwendeten Rebsorten nicht als DOCs oder DOCGs qualifiziert werden dürfen.

Italienische Weine bei Winetory.net

Bild 2: Frische Nudeln hängen auf der Leine

Ich denke, wenn Du Dir diese Eckpunkte merkst, hast Du schon einmal eine Basis, mit der Du punkten kannst. Kommen wir also zu den Weinen, mit denen Du deinen Besuch verwöhnen willst. Generell ist es schwierig einen passenden Wein zu empfehlen, ohne ihn selbst probiert zu haben oder ihn zu kennen. Daher kann ich Dir hier nur einige Tipps an die Hand geben. Generell würde ich Dir empfehlen zu einem Fachhändler für Wein zu gehen und eher nicht in den Supermarkt. Lass dich beraten oder informiere dich auf der Homepage eines guten Online-Händlers. Hier bekommst Du, wenn Du das Gericht vorgibst, meist sehr gute Weinempfehlungen.

Im Prinzip gilt immer die Regel den Wein aus der Region zu kaufen, in der auch das Gericht zuhause ist. Daher würde ich zu der Pasta mit Meeresfrüchten z.B. einen Pecorino DOCG aus der Region Marken bzw. einen Pecorino DOC aus den Abruzzen nehmen. Sehr gut würde auch ein weißer Etna DOC passen. Das Ossobuco kommt ursprünglich aus Mailand, der Hauptstadt der Lombardei. Trotzdem würde ich hier mit meiner Weinempfehlung in das benachbarte Piemont gehen und einen Barbera d’Alba empfehlen. Richtig gut passt natürlich auch ein Chianti Classico DOCG.

Aber wie gesagt, Du gibst Dir so viel Mühe mit dem Essen. Nimm Dir die Zeit und informiere Dich bei ausgewiesenen stationären und digitalen Fachhändlern über passende Weine. Oder du kommst zu mir in meine Wein- und Sommelierschule European Wine Education in München.


Über den Autor Andrea Vestri

Andrea Vestri

Bild 3: Andrea Vestri ist Autor, Sommelier und Reiseführer

Andrea wurde 1968 in Florenz, Italien geboren. Schon früh hatte er den Drang danach Neues zu erkunden. Mit 22 Jahren brach er auf nach Deutschland, um dort sein Leben neu zu gestalten. In den Jahren entwickelte er sich immer weiter hin zu einem Fachmann für Wein und Kulinarik. Er war 13 Jahre Restaurantleiter im Atelier Gourmet. In der Zeit hatte er ca. 200 Weinseminare mit seinem französischem Freund und heutigen Partner der European Wine Education Jean Jacques Marcel veranstaltet. Im Jahr 2013 hat er die Sommelierprüfung bei der European School for Sommeliers absolviert und im darauffolgenden Jahr gründete er die Sommelier Schule “European Wine Education“ in München. Die European Wine Education organisiert unterm anderen Weinreisen in verschiedene Weinländer Europas.


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