Die Bubbles von Barth

Auf den preussisch-bayerischen Vertrag, der im November 1870 unterzeichnet wurde und die Einheit Deutschlands besiegelte, kredenzte Bismarck nicht etwa einen deutschen Sekt, sondern stiess mit Champagner an; und dies, obwohl Frankreich Deutschland vier Monate zuvor den Krieg erklärt hatte.

Schande !

Sekt hat in Deutschland eine lange Tradition. Kaiser Wilhelm II führte 1902 eine Sektsteuer ein, um unter anderem die damalige Kriegsflotte zu finanzieren. Die Sektsteuer besteht seitdem bis heute und beträgt 1,02€ die Flasche. Den heute bekannten Winzersekt gibt es in Deutschland seit Ende der 1980er Jahre – lediglich etwa ein Prozent der Weinmosternte wird zu Winzersekt weiterverarbeitet.

Die Bubbles von Barth Shirley Amberg
Autorin Shirley Amberg

Deutschland ist zwar nicht unbedingt bekannt für seine sprudelnden Leckerschlucke – das bedeutet aber nicht, dass es diese nicht gibt.

Meine jüngste Entdeckung sind die Winzersekte vom Weingut Barth im Rheingau.

Für die Herstellung seines Winzersektes muss der Erzeuger hohe Qualitätsstandards einhalten. Er darf für den Sektgrundwein beispielsweise nur Trauben aus eigenen Weinbergen verwenden, was den Sekten die persönliche Handschrift des Winzers verleiht. Der Winzer bestimmt die Eigenschaften seines Sektes in allen Details, von der Zusammensetzung der Grundweine bis hin zur Geschmacksrichtung. Ausserdem müssen alle Winzersekte nach der traditionellen Flaschengärmethode hergestellt werden.

Die Trauben für den Winzersekt des Weingut Barth gedeihen inmitten des Rheingaus, eines der renommiertesten Weinbaugebiete der Welt. Nice to know: der Rhein ändert einzig im Rheingau seinen Verlauf in Richtung Westen und gibt so der Sonne Gelegenheit die ihm zugewandten Weinberge den ganzen Tag zu verwöhnen. Die Reben wachsen auf  namhaften Lagen wie Hattenheim Hassel, Wisselbrunnen, Schützenhaus, Hallgarten Hendelberg und Schönhell. Und sind diese Fleckchen Erde auch noch so nah beieinander, könnten die Bodenstrukturen unterschiedlicher nicht. Aus diesem Grund bauen die Barths nicht nur ihre Weine, sondern auch ihre Sekte lagentypisch aus. Und das merkt man!


Autorin Shirley Amberg

„Wein ist unsere Disziplin, Sekt unser Paradestück“ – so lautet das Familienmotto. Seit den 90er Jahren versektet das VDP (Verband der deutschen Prädikatsweingüter) Weingut Barth selbst – die Qualität kommt dabei nicht von ungefähr, sondern resultiert aus intensiver Arbeit und einer tiefen Leidenschaft und Hingabe. Jeder Sekt wird nach traditioneller Methode, der klassischen Flaschengärung, gekeltert.

Pinot Blanc Brut

 



Feine, elegante Perlage. Filigranes, harmonisches Bukett mit typisch zarten Blütenaromen. Aromen von Quitten und feine Hefenoten. Angenehm weiche Säure am Gaumen. Das Hefelager gibt Struktur und cremigen Schmelz, ohne die Typizität der Rebsorte zu überlagern.

Die Trauben wachsen auf den für den Rheingau typischen Lössboden. Der Most vergärt im Stahltank zum Sekt-Grundwein. Er liegt während 24 Monaten auf der Hefe, bevor er handgerüttelt und degorgiert wird.

Mit seiner cremigen Kraft kann dieser Pinot Blanc Brut  es besonders gut mit kräftigen Speisen aufnehmen.

Pinot Rosé Brut

 

Zauberhafte, funkelnde Farbe. Die intensive Beerenaromatik verführt zu grossen Schlucken. Im Mund erinnert der Sekt an ein Baiser mit Johannisbeergelée, dazu gesellt sich ein Hauch Minze sowie eine leichte und frische Salznote.

Seine funkelnde Farbe erhält er durch die "Saigner Methode".

Der aus dem Französischen stammende Begriff Saignée bedeutet wortwörtlich „Aderlass“ - das Wort stammt etymologisch von saigner – bluten. In der Tat lässt man bei diesem Verfahren den Gärbehälter mit der Rotwein-Maische nach einigen Stunden oder Tagen „zur Ader“, das heisst es wird ohne Pressung 10–20 % des Mostes abgezogen welcher dann eine rötliche Farbe hat.

Dieser Sekt liegt bei gleichbleibender Temperatur während 36 Monaten auf der Hefe, bevor er handgerüttelt und degorgiert wird.

Mit seiner intensiven Rotbeerigkeit ist dieser Sekt ein idealer  Begleiter zu herzhaften Snacks wie Käse, Schinken und Salami. Perfekt auch zu roséfarbenen Fleischgerichten wie  Koteletts oder Rehrücken.

Dieser Sekt ist übrigens auch in der Magnum Flasche zu haben. Für die Schreibende die perfekte Grösse für zwei Personen.

Pinot Noir Brut



Tiefes, dunkles Rot mit einer äusserst lebendiger Perlage. In der Nase beerig und würzig, am Gaumen entfaltet sich die volle Typizität dieses Pinots. Balanciert mit sanften und strukturierendem Tannin – vermutlich der weinigste aller Barth-Sekte.

Der Winzer Mark Barth lässt den Grundwein für diesen roten Schäumer ein Jahr lang im grossen Holzfass reifen, bevor er für die zweite Gärung in die Flasche kommt. 120 Monate liegt der Wein auf der Hefe. Dann wird er handgerüttelt und degorgiert.

Mit seiner Würze und rotweinigen Art passt dieser Pinot Noir Sekt vorzüglich zu rotem Fleisch, etwa zu einem Carpaccio, Rinderfilet oder auch Reh, sowie zu gegrilltem Gemüse. Erstaunlich gut harmoniert er auch zu einem saftigen Stück Schokoladenkuchen!

Der Rheingau, eines der ältesten Weinanbaugebiete der Welt, bietet übrigens eine eindrucksvolle Kulturlandschaft. Besuchen Sie Burgen, Schlösser und Denkmäler (www.rheingau.de) oder bewandern Sie den beliebten Rheinsteig (www.rheinsteig.de) – selbstverständlich mit einer gut gekühlten Flasche Barth Sekt im Rucksack!

Über die Autorin Shirley Amberg

Shirley ist in Zürich geboren und ein Cuvée aus Schweizer, Südafrikanischem, Österreichischem und Englischem Blut. Das schweizerische Blut ist wohl für Struktur und Basis verantwortlich und das südafrikanische sorgt sich um Harmonie und Leidenschaft. Das österreichische gibt dem ganzen Charme und Heiterkeit und das englische kümmert sich darum, dass sie ihren Horizont offen hält und ihre Neugierde durstig bleibt. Bevor sie ihre Leidenschaft zum Beruf machte, war sie im Investment Banking tätig. Auf Ihrer Webseite Shirleyamberg.com schreibt sie über Ihre Tastings und Publikationen zum Thema Wein.

Instagram: @shirley_amberg
LinkedIn: shirley-ann-amberg-26502396


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