Amarone. Amore!

95% meiner Freundinnen nennen Amarone „ihren Lieblingswein“. Das ist interessant. Aber wenig erstaunlich.  Dieser bittersüsse Kuss aus dem Veneto ist schon sehr süffig....


Trauben kurz nach der Ernte in den typischen Holzkisten

Die Trauben, aus denen der Amarone Corte Manara entsteht, werden von Hand gelesen und dann für mindestens 100 Tage unter steter Kontrolle getrocknet. Wenn dabei Edelfäule (Botrytis Cinerea) entsteht, wird vorzugsweise ein süsser Recioto daraus gekeltert. Für Amarone ist Botrytis aber nicht erwünscht, weil der Pilz Säuregehalt und Haltbarkeit herabsetzt. Beim Trocknen konzentriert sich der Zucker in den Beeren welcher in diesem Wein satte 16% Alkohol erzeugte.

Schon das ständige Drehen der Amarone-Trauben beim Trocknen ist ein grosser Aufwand. Dabei verlieren die Beeren fast die Hälfte an Gewicht, zurück bleiben praktisch Rosinen. Die Ausbeute reduziert sich dramatisch. Nach dem Gären und Keltern muss der Amarone dann auch noch mindestens drei Jahre im Fass lagern bevor er abgefüllt werden darf. Kein Wunder also, dass die Preise dem Aufwand entsprechen: mit 20 bis 30 Euro muss man für einen guten Amarone schon mindestens rechnen.

Der Amarone vom Weingut Manara ist für rund 25 Euro zu haben – schmeckt aber sehr viel teurer; ich war verblüfft! An einer Blinddegustation hätte ich ihn ohne zu zögern bei um die 50 Euro eingestuft.

 Abgesehen von „teuer“ schmeckt er wuchtig, fruchtig und würzig.  Aromen von Vanille, dunklen Kirschen und Bittermandeln verführen die Nase zu grossen Schlucken. Im Mund zeigt er sich ebenfalls voluminös,  voll und rund im Geschmack. Grossartige Struktur, samtig und weich, beinahe cremig. Ich liebe seine Aromenvielfalt welche von Kräutern über schwarze Beeren bis zu Dörrpflaumen reicht. Eine leicht herbe Note (amaro heisst bitter) sorgt dafür, dass das ganze nicht kitschig wird. Im Geschmack hält sich die lieblich-fruchtige Note mit dem starkem Gerbstoff im Gleichgewicht, sodass dieser Amarone Corte Manara  durchaus lieblich und zugleich bitter wirken kann.

Über die Autorin Shirley Amberg

Shirley ist in Zürich geboren und ein Cuvée aus Schweizer, Südafrikanischem, Österreichischem und Englischem Blut. Das schweizerische Blut ist wohl für Struktur und Basis verantwortlich und das südafrikanische sorgt sich um Harmonie und Leidenschaft. Das österreichische gibt dem ganzen Charme und Heiterkeit und das englische kümmert sich darum, dass sie ihren Horizont offen hält und ihre Neugierde durstig bleibt. Bevor sie ihre Leidenschaft zum Beruf machte, war sie im Investment Banking tätig. Auf Ihrer Webseite Shirleyamberg.com schreibt sie über Ihre Tastings und Publikationen zum Thema Wein.

Instagram: @shirley_amberg
LinkedIn: shirley-ann-amberg-26502396

 


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