Social Media Einstieg für Winzer

 

Social Media Einstieg für Winzer

Beim Thema Internet und Social Media gibt es drei Gruppen von Winzern: die Verweigerer, die Interessierten und die, die verstanden haben wie es funktioniert. Doch wie funktioniert das jetzt mit dem Posten, Liken und Kommentieren bei Facebook, Instagram & Co. genau? Und welches Equipment braucht man dazu? Welche Themen interessieren die Leute? Wegen der vielen Nachfragen von Winzerinnen und Winzern schreiben wir diesen Artikel um endlich mal mit ein paar Mythen und Unklarheiten aufzuräumen. Wenn Du Winzer bist und zu der Gruppe der interessierten gehörst, dann lies weiter. Hier erfährst Du alles was du brauchst für deinen Einstieg in Social Media.

Inhalt dieses Artikels:

  1. Warum ist Social Media für ein Weingut relevant?
  2. Interessiert es Menschen, was auf einem Weingut passiert?
  3. Wie mache ich mit Social-Media ein Geschäft?
  4. Kehrseite von Social Media: Aufwand vs. Nutzen
  5. Wachstum mit Social Media
  6. TTechnische Grundausrüstung für Social Media
  7. Top10 Grundregeln für Winzer bei Social Media
  8. Erfolgreiche Winzer bei Social Media in Deutschland
  9. Fazit: Social Media kann jeder Winzer

1) Warum ist Social Media für ein Weingut relevant?

Der Markt für Wein hat sich tiefgründig verändert: früher besuchten die Kunden das Weingut und luden sich viele Flaschen auf Vorrat ins Auto. Die Winzer konzentrierten sich auf die Betreuung der Kunden vor Ort auf dem Hof. Dann kamen über die Zeit der Lebensmitteleinzelhandel, die Discounter und Amazon. Sie alle haben das Kosumentenverhalten der letzten Jahre geformt und verändert. Die Kunden sitzen nun bequem zuhause, schauen auf dem Handy nach Angeboten und lassen sich die Waren liefern. Den Gang zum Supermarkt oder Discounter muss auch jeder ab und zu mal antreten. Und da findet man im so genannten Prestigesortiment auch jede Menge Wein – allerdings aus Massenproduktion und auch aus Übersee. Ergo: die Kunden kommen nicht mehr von alleine zum Weingut und müssen angelockt werden. Die gute Nachricht ist: es war noch nie so einfach direkten Kontakt zu Kunden aufzubauen wie heute. Social Media macht es möglich. Ein paar nackte Zahlen aus dem Jahr 2018 dazu: In der Altersgruppe 30-49 Jahre in Deutschland nutzten laut Statista mindestens 64% Facebook. In der Gruppe der 50-59-jährigen sogar 75%. Diese Nutzergruppen sind nur einen Klick entfernt. Man muss sie nur finden und ansprechen. Genauer gesagt: jedes Angebot findet seine Community. Wie gut das funktioniert, das kann man beeinflussen. Mehr dazu erfährst du in den folgenden Abschnitten.

2) Interessiert es Menschen, was auf einem Weingut passiert?

Eindeutige Antwort: Ja! Wir bei Winetory.net konzentrieren und bei der Kommunikation auf drei sogenannte „Content Säulen“:

  1. Die Winzerfamilie mit dem Leben und Arbeiten auf dem Hof
  2. So kommt Qualität vom Weinberg ins Glas
  3. Die regionalen Produkte des Weingutes vom Winzer einfach erklärt

Kaum zu glauben, dass der immer wiederkehrende Alltag eines Winzers für andere interessant sein kann. Dabei hilft vielleicht ein Perspektivwechsel: wie spannend kann es sein, die tägliche Arbeit eines Programmierers zu verfolgen (Sorry Programmierer dieser Erde, wir lieben euch trotzdem!). Ihr würdet das immer gleiche Bild eines Menschen vor einem Bildschirm sehen. Nicht so beim Winzer. Abhängig von der Jahreszeit gibt es viele interessante Themen aus den drei oben beschriebenen Bereichen. Und in vielen Situationen ist der Winzer umgeben von wunderschöner Natur und malerischen Landschaften. Bildmaterial in Form von Fotos und Videos transportieren die Emotionen und die Leidenschaft, die mit der Herstellung von Rotweinen, Weißweinen, Roséweinen und Orangeweinen verbunden ist. Und am Ende steht ja auch der Konsum des Weines. Getrunken wird der Wein in besonderen Situationen im Beruf oder in der Freizeit. Sei es mit Geschäftspartnern, Freunden oder der Familie. Interessierte Weintrinker erzählen dann auch gerne etwas zu den Weinen. Daher: gebt den Kunden ihren Gesprächsstoff aus den dann spannenden Erzählungen werden! Das nennt man dann virales Marketing: die Kunden sprechen mit anderen potentiellen Kunden über Dein Produkt und die kaufen es dann auch. Und um das anzuschieben müssen die Menschen dich als Winzer und Dein Weingut als Marke kennen.

 

Filmaufnahmen beim Weingut Schauß
Bild: Dreharbeiten beim Weingut Schauß in Monzingen

 

3) Wie mache ich mit Social-Media ein Geschäft?

Social Media ist das Werkzeug um Deine Kundengruppe anzusprechen, eine Community zu formen, aus Kunden Fans zu machen, darüber zu berichten und dadurch Bindung und Wachstum zu erzeugen. Es hilft ein Vergleich zum Buchhandel: früher hat ein guter Koch ein Kochbuch geschrieben und das Buch wurde verkauft. Das Marketing funktionierte über Lesungen und Werbung des Verlags. Heute muss der Koch das Kochbuch verschenken und die Kunden animieren seine Kochsendung im Internet zu verfolgen. Bei dieser Kochsendung wird über kostenpflichtige Veranstaltungen und Produkte gesprochen, die dann die begeisterte Community online kaufen kann und soll. Der Unterschied ist, dass die Kosten für den Druck und den Verlag entfallen und der Koch einen direkten Zugang zu seinen Endkunden bekommt.

Der Transfer vom Koch auf den Winzer geht so: früher war es neben der Arbeit in der Landwirtschaft ausreichend, Zeit für die Besucher des Hofes und für ein jährliches Mailing an die Stammkunden zu verwenden. Ende. Heute bröckelt vor Ort die Kundenbasis und mit 11.500 Winzerbetrieben in Deutschland ist die Konkurrenz nicht gerade klein. Während man in der Landwirtschaft tätig ist, muss man heute Bilder und Videos machen und seine eigene Geschichte erzählen, auch „Story Telling“ in der Marketing-Fachsprache genannt. Später am Abend stellt man dann die Inhalte mit kurzen, passenden Texten online. Klingt das verrückt? Vielleicht, aber so funktioniert heute das Geschäft.

Durchhalten lohnt sich dabei: neben dem Verkauf im Versandhandel kommen die Kunden dann auch mal vorbei, wenn das Weingut beispielweise auf dem Weg in den Urlaub liegt. Und das mit einem Unterschied: echte Social Media Fans machen eigene Fotos und Videos von diesem Besuch und machen dadurch für euch ungefragt Werbung. Daher empfehlen wir auch jedem Winzer 1-2 Events pro Jahr auf dem Weingut zu machen: ladet euch doch die vielen Marketing-Fachleute aus eurer Kundschaft ein und lasst sie über eure Veranstaltung berichten. Und wenn ihr dann selbst noch Fotos und Videos macht, dann hattet ihr kostenfreie Statisten zu Besuch. Nach Außen ist die Wirkung jedenfalls positiv: auf diesem Weingut scheint etwas los zu sein. Und das erzeugt weiteres Interesse.

Digital Natives dokumentieren ihr Leben in Social Media

Bild: Bei Events können Kunden Markenbotschafter für das Weingut werden

4) Kehrseite von Social Media: Aufwand vs. Nutzen

Es gibt zwei Totsünden im Bereich Social Media für Winzer: die eine ist gar keine Präsenz zu haben, die andere ist einfach eine Seite zu haben die keinen ästhetischen Mindestansprüchen genügt und die nicht mit einem Minimum an Zeit aktiv betreut wird. Beides kann von Kunden als altmodisch, lieblos und als Mangel an Leidenschaft gewertet werden. Und das schlägt negativ auf das Weingut als Marke durch. Bitte macht das nicht!

Um den Aufwand relativ gering und den Nutzen auf einem angemessenen Niveau zu halten, empfiehlt es sich, einen jeweils gleichlautenden Account bei Facebook und Instagram gleichzeitig einzurichten. Beide Plattformen gehören der Muttergesellschaft Facebook Inc. Mit wenigen Klicks kann man Instagram mit Facebook technisch miteinander verbinden. Dadurch braucht man nur Inhalte bei Instagram einzustellen. Sie werden dann automatisch bei Facebook in seinem Profil eingestellt. Bei Instagram empfehlen wir mindestens 9-12 Foto-Kacheln hochzuladen.

Der Nutzer muss durch die Fotos in Social Media auf einen Blick erkennen:

  1. es handelt sich um ein Weingut
  2. hier wird Wein vom Winzer hergestellt
  3. den Wein kann man kaufen

Klingt trivial, aber bei vielen - auch namhaften - Winzern fragt man sich schon, was sie mit ihrem Auftritt bezwecken. Social Media kann als professionelles Instrument eingesetzt werden. Es ist kein Spielzeug um sein Privatleben zur Schau zu stellen. Weiterer Tipp: bitte nicht zu viele Fotos von Personen oder einer Jahreszeit. Es erfreut Kunden wenig auf ein „Frohe Weihnachten“ mitten im Hochsommer zu treffen.

Für die Erstellung der Seite hat man einen einmaligen Aufwand und kann sich danach auf die Beantwortung von Nachrichten konzentrieren. Die Community kann man wachsen lassen, indem man in seinem Hofladen und auf seiner Webseite die Adressen seiner Social-Media-Kanäle angibt. Dieses Vorgehen wird insgesamt nur zu einem langsamen Wachstum führen.

Aufnahmen mit Winzer Elmar Schauß

Bild: Dreh zum Video mit Elmar Schauß vom Weingut Schauß in Monzingen. [Video]

Wer selbst das Set-Up und die Betreuung seiner Social Media Präsenzen nicht machen kann oder möchte kann sich professioneller Anbieter wie der Social Emotion GmbH aus Augsburg bedienen. Social Emotion unterstützt in ganz Deutschland Kunden dabei sich zuerst einmal vor dem Start in Social Media richtig in Bezug auf die Zielgruppe zu positionieren, die richtigen Kanäle auszuwählen und dann die Inhalte ansprechend hochzuladen. Inhaberin Selina Alisa Kornegger sagt dazu: „Die Anforderungen von Social Media an Gewerbetreibende wird häufig unterschätzt. Die Apps bieten heutzutage so viele Möglichkeiten und sind so komplex, dass sich hier ein eigener Berufszweig etabliert hat. Eine gezielte und professionelle Unterstützung ist dadurch für Winzer möglich.“

5) Wachstum mit Social Media

Das bisher beschriebe definiert lediglich den Status in Social Media präsent zu sein. Wenn man nun den Anspruch hat aktiv eine Community, also Fans der eigenen Marke, zu formen, dann braucht man mehr: Ressourcen in Form Zeit mit der passenden Ausrüstung oder Geld um jemanden wie Social Emotion mit der Verwaltung seiner Accounts zu beauftragen.

Als Grundregel bei Social Media gilt: um nach den Algorithmen von Facebook und Instagram überhaupt annähernd alle Abonnenten in deinem Kanal erreichen zu können, musst du mindestens 3 Postings pro Woche machen. Die Ursache liegt daran, dass die App-Betreiber Werbung von Dritten einblenden und dadurch Anzeige-Kapazität deiner Postings für alle deine Abonnenten fehlt. Und damit aktive Nutzer belohnt werden, werden deren Postings mehr Usern angezeigt.

Wie also zu 3 Postings, also Fotos oder Videos, pro Woche kommen? Auch das ist relativ einfach: man kann alles in Ruhe vorproduzieren. Niemand erwartet, dass man live vom Weinberg sendet. Auch kann man Bilder aus dem letzten Jahr nutzen und sich monatlich Gedanken machen, welche Bilder man in der nächsten Zeit veröffentlichen möchte. Die beste Fundgrube für Fotos und Videos sind immer noch eigene Events auf dem Weingut. Richtig erstellt, kann man danach Material für ca. 6 Monate vorab produzieren.

6) Technische Grundausrüstung für Social Media

Nie war es so einfach und günstig Endkunden zu erreichen. Mit einem aktuellen Smartphone und ca. 70 Euro für Zubehör ist man ausreichend gerüstet um ansprechende Fotos und insbesondere Videos zu erstellen. Dunkle Fotos und Videos mit schlechtem Sound schaut sich niemand gerne an. Wer hier punkten möchte kommt um ein einfaches Ringlicht und ein Ansteck-Mikro nicht herum. Wer das iPhone benutzt, was wir aus eigener Erfahrung empfehlen können, hat im Lieferumfang bereits den Adapter mit dabei. Die folgenden Bilder wurden uns freundlicherweise vom Traditionsunternehmen Foto Koch aus Düsseldorf zur Verfügung gestellt. Sollte es euch interessieren, dann kauf es bitte dort und nicht bei Amazon. Wir möchten an dieser Stelle unbeauftragte Werbung für den deutschen Einzelhandel in den Innenstädten machen!

Mikro

Bild: Hama Ansteckmikrofon LM 09, FotoKoch.de

Licht

Bild: Dörr LED Selfie Ringlicht SLR-16 Bi-Color, FotoKoch.de

Wer richtig durchstarten will und plant, regelmäßig professionelle Videos zu erstellen, dem sei ein so genanntes Gimbal empfohlen. Es ermöglicht auch im Gehen und bei anderen Bewegungen Aufnahmen ohne Verwackelungen zu machen.

Gimbal

Bild: DJI Osmo Mobile 3 Combo, FotoKoch.de


Video: Vorstellung des Equipments

7) Top10 Grundregeln für Winzer bei Social Media

  1. Überlege dir genau welche Ziele du mit Social Media erreichen willst
  2. Schaue dir Lern-Videos bei YouTube an, Stichworte „Facebook“ und „Instagram“
  3. Erstelle hochwertige Fotos und Videos, idealerweise mit einem Profi
  4. Schreibe auf deine Zielgruppe abgestimmte, relevante Texte
  5. Poste regelmäßig Inhalte um deine Community in deinem Kanal zu locken und zu halten
  6. Stimme das Design deiner Homepage auf Social Media ab und umgekehrt
  7. Animiere deine Kunden Bewertungen und Postings zu machen
  8. WhatsApp (Facebook Inc.) ist auch Social Media und auch ein Werbekanal
  9. Pflege deinen Auftritt bei TripAdvisor und GoogleMaps
  10. Suche dir professionelle Unterstützung

8) Erfolgreiche Winzer bei Social Media in Deutschland

Aus Sicht von Winetory gehören die folgenden Winzer zu den TOP 3 in Deutschland:

||| Freunde Weine - Juliane Eller mit M. Schwaighöfer und J. Winterscheidt

Getroffen hat Juliane den Schauspieler Matthias und den Entertainer Joko auf einer Party in Berlin. Die drei verstanden sich auf Anhieb so gut, dass die Idee eines eigenen Weins geboren wurde, dem ||| Freunde Wein. Genial an dieser Verbindung ist das bestehende Wissen über die Medienlandschaft in Deutschland und die Kontakte insbesondere von Joko. Die beiden Jungs vereinen auf ihren Social-Media-Kanälen durch ihre Bekanntheit insgesamt 1,9 Millionen Follower. Der Auftritt der gemeinsamen Weinmarke hat dadurch unter @dreifreundeweine 20K Follower.

Weingut Van Volxem - Roman Niewodniczanski

Wie kaum ein anderer Winzer in Deutschland versteht es Roman Niewodniczanski aus seinem Weingut eine Premium-Marke zu formen. Wer einmal sein Weingut besucht hat ist tief beeindruckt, wie perfekt dieses Weingut positioniert ist. Die Marke Van Volxem wächst und sucht Kooperationen mit anderen hochwertigen Marken wie Porsche und Lufthansa. Diese gegenseitige Verstärkung erzeugt weiteres Wachstum. Auf Instagram hat Niewodniczanski in 2019 unter @van_volxem die 10K Follower Grenze mit Hilfe einer Agentur überschritten. Er ist aber selbst auch sehr aktiv und stellt Postings seiner Fans in seinen eigenen Kanal.

Projekt WEINCROWD - Weinblogger Benjamin & Winzer Reinhard

Mit 1.300 Abonnenten unter @weincrowd noch ein Newcommer, aber für uns schon ganz vorne mit dabei ist die neue Marke WEINCROWD von Benni und Reinhard. Blogger Benni bringt jahrelange Erfahrung aus seinem eigenen Kanal @schmitt_mainwein mit 12K Followern mit. Winzer Reinhard liefert mit ihm relevante Inhalte zur Herstellung der neuen Weine. Einzigartig daran ist, dass wie an keiner anderen uns bekannten Stelle bei Social Media die Abonnenten in die Herstellung der Weine eingebunden sind (siehe Blogbeitrag: „WEINCROWD: der erste Instagram-Wein“).

9) Fazit: Social Media kann jeder Winzer

Nie war es für Winzer so leicht und kostengünstig einen direkten Draht zu Endkunden aufzubauen und zu halten. Die Entwicklung des Nutzerverhaltens hin zu Online Shopping und Social Media wird sich ungebrochen fortsetzen. Neben dem erheblichen Einsatz von Zeit und Geld bestehen aber auch große Chancen, sich für den weiteren Erfolgsweg gut zu positionieren. Und wer sich nicht selbst die Arbeit für Social Media machen möchte, dem stehen heutzutage professionelle Unterstützer zur Seite. 


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