Wein ‘Made in China’ im Supermarktregal

Weißweine, Roséweine und Rotweine aus Übersee sind der überflüssige Anblick im so genannten “Prestigesortiment” in vielen unserer Supermärkte und Discounter. Doch wie kommen neuerdings chinesische Weine in unseren Handel?

Den Transportweg von Weinen über die Weltmeere hatten wir bereits im Blogpost ‘Umweltschutz: Keine Überseeweine bei Winetory.net’ beschrien. Der ökologische Fußabdruck ist bedenklich. Und die Geschichte der Herstellung ist es umso mehr: die Weine werden nach der langen Reise aus Tankcontainern über große Silos in Europa industriell in Flaschen abgefüllt. Es handelt sich oftmals um anonyme Massenprodukte mit im Vergleich zu europäischem Weinen schlechterer Umweltbilanz. Hübsch und edel ist nur das aufwendig gestaltete Etikett. Ein aktuelles Beispiel zeigt jedoch leider, wie Überseeweine aus China mit einer noch schlechteren Ökobilanz in das Weinregal im Supermarkt kommen.

Überseeweine aus Californien
Bild 1: Rotwein aus Californien, der erst in Europa abgefüllt wurde: „Imported and bottled […]“ steht auf dem Etikett auf der Rückseite.

Der Weinmarkt in China

Der Weinmarkt in China ist in Bezug auf die Rebfläche nach Spanien der zweitgrößte weltweit. Die Nachfrage der chinesischen Verbraucher nach ausländischen Wein ist riesig. In einigen französischen Regionen beispielsweise haben sich chinesische Unternehmen in Weingüter eingekauft und exportieren bis zu 100% der Mengen nach Asien. Chinesische Studenten der Önologie (Kellerwirtschaft) erlernen dort als Besucher auf den Weingütern das Handwerk der Weinproduktion. Und dieses Wissen nehmen sie dann mit in ihre Heimat.

Doch statt das erworbene Wissen voll für die Durchdringung des chinesischen Marktes zu nutzen, werden Weine auch in großen Mengen nach Europa exportiert. Und das zulasten der Umwelt und zugunsten von zusätzlichen Profiten aller Beteiligter.


Chinesischer Wein im Supermarkt
Bild 2: Chinesischer Wein in unserem Supermarkt für 7,99 Euro

Der Wein vom chinesischen Château im Regal

Ein selbst ernanntes chinesisches Château dessen Flasche wir bei einem bekannten Supermarkt gefunden haben, hat noch eine recht junge Geschichte. Laut eigener Aussage wurde die Anlage im Jahr 2013 in der Nähe der Provinzhauptstadt Yinchuan im chinesischen Provinz Ningxia für 70 Millionen Euro neu aus dem Boden gestampft. Um dem neu geschaffenen Imperium ausreichen Glanz zu verschaffen half eine österreichische Winzerfamilie mit Wissen und ihrem Namen aus. Punktezahlen von Bewertungsanbietern und ein gutes Marketing tun ein Übriges. In Europa haben große Importeure die Deutungshoheit über den Sinn und die Besonderheit dieser Weine übernommen.

Der Hersteller in der Provinz Ningxia füllt auf seinem Gelände den Wein direkt in Flaschen ab. Auch das Label weist als Abfüllort China aus. Für den Export nach Europa bedeutet dies, dass statt der Menge von ca. 25.000 Liter in einem Tankcontainer nur etwa 8.000 Liter in Flaschen im Container transportiert werden können, also etwa nur ein Drittel. Die Umweltbilanz dieses Transportweges weist also bis zu 3-mal mehr klimaschädliches CO2 auf als Transporte per Tankcontainer. Die Firma spart dadurch mutmaßlich die Kosten für die teure Flaschenabfüllung in Europa.

Abfüllung chinesischer Flaschen in China
Bild 3: Angabe des Abfüllortes China mit „Estate Bottled“

Beispielhafte Kalkulation eines Imports von Wein aus China nach Europa

So oder ähnlich könnten europäische Einzelhändler den Wein aus China für den europäischen Markt kalkulieren:

Kalkulation für 12.000 Flaschen Wein pro Seecontainer:

0,90 €/FL Herstellungskosten China
0,50 €/FL Logistikkosten
0,50 €/FL Vertriebskosten Europa
= 1,90 €/FL Einkaufspreis Handel

6,71 €/FL Verkaufspreis Handel (7,99 € Brutto)

6,71  - 1,90 = 4,81 €/FL Gewinn = ~250% Marge (!!)

Wenn als Beispiel ein Lebensmitteleinzelhändler ca. 11.000 Verkaufsstellen in Deutschland hat und je Laden nur 6 Flaschen pro Woche eines chinesischen Weines verkauft, dann beträgt die Jahresmenge ca. 3,3 Millionen Flaschen mit 2,3 Millionen Litern in 275 Seecontainern. Der Gewinn würde je Wein etwa 16 Millionen Euro pro Jahr betragen. Das sind wahrlich große Zahlen des Big Business. Welcher mündige Verbraucher glaubt, dass solche großen Mengen an Wein, Weinflaschen, Etiketten und Korken in China nachhaltig im Einklang mit der Natur und guten Arbeitsbedingungen hergestellt werden?

 Wie lieben Wein
Bild 4: Wir lieben Wein!

Welche Worte fallen dir zu Wein aus China ein? Schreibe einen Kommentar!

Fazit: Gute Weine für 7,99 Euro kauft man vom Winzer

Kleidung oder Elektroartikel aus chinesischer Herstellung zu kaufen ist wegen den wenigen europäischen Anbietern nachvollziehbar. Beim Thema Wein besteht jedoch kein Grund: tausende Winzer bieten in Europa ihre Produkte an. Einige vielleicht auch in Deiner Region.

Für den Preis des beschriebenen chinesischen Weines bekommt man schon sehr leckere WeißweineRoséweine und Rotweine direkt von europäischen Winzern ‘um die Ecke’. Man unterstützt dabei nicht nur lokale Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, sondern schont auch die Umwelt: Verpackungsmüll und Schiffsabgase entfallen.

Und wenn es doch ein Überseewein sein muss, dann achte zumindest darauf, dass er erst importiert und dann abgefüllt wurde. Das spart bis zu dreimal mehr der anfallenden klimaschädliche Abgase durch die Schiffstransporte ein.

Augen auf beim Kauf von Wein. Investiert euer Geld in gute, europäische Weine, die direkt von lokalen Winzern kommen.

 

Ähnliche Artikel: 

 

Folge uns in unseren Social-Media-Kanälen:

Folge uns auf InstagramFolge uns auf FacebookFolge uns auf LinkedInFolge uns auf TwitterFolge uns auf YouTube

 

 

 

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.