Element Gin – die Entstehung einer Marke

Neue Ideen entstehen nicht aus dem Nichts. Kein Konzept ohne Fundament. Im Beispiel des Element- Gins ist es die Kombination zweier längst bekannter Aspekte, welche zuvor noch nicht zusammen gedacht wurden: die Kombination der alten griechischen Lehre, nach der alles Sein auf der Erde auf der Mischung der vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde beruht, mit dem Produkt Spirituose.

 Element Gin von Philipp Hofmann
Skizze: Schematischer Aufbau der Destialltionsapperatur

Die Hintergründe

Die Idee zu einem vierteiligen „Elemente-Gin“ entstand bei der Verkostung von Essenzen. Die kleinen Destillatproben einzelner Botanicals, welche zum Blending von Gin verwendet werden und ihre verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten luden förmlich dazu ein. Es sollten vier grundverschiedene Gins, welche sich durch ihre Differenzen gegenseitig erweitern und eine individuelle Gin-Aromatik verkörpern, entstehen. Jeder dieser Gins sollte das Essenzielle eines der vier angesprochenen Elemente aufweisen. Worin der Wesenskern eines Elementes besteht, war die leitende Fragestellung der folgenden Versuche. Die Entwicklung, auf welche im Folgenden näher eingegangen wird, ist in drei große Schritte unterteilbar. 

Zunächst wurde das Verkoster-Panel in die Idee und die Thematik Gin eingeführt. Hierzu diente ein Benchmarking kommerzieller Gins und deren Bewertung. Im nächsten Schritt wurden einzelne Botanical-Gins gebrannt und sensorisch verkostet, um sie den jeweiligen Elementen zuzuordnen. Das Projekt war als Bachelor-Arbeit am Weincampus Neustadt konzipiert und wurde aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Rahmen der „Förderung individueller Studienwege (FIS)“ für „Forschendes Lernen“ gefördert.

Erster Schritt

Das dreißigköpfige Panel, bestehend aus Studierenden, Mitarbeitern und Doktoranden des Weincampus Neustadt, wurde zunächst in die Thematik eingeführt, über den geplanten Verlauf des Projekts informiert und eingeladen, Anmerkungen sowie Kritik zu äußern. Die Einbringung eines direkten Austauschs zwischen dem Panel und den Projektleitern stellte ein gemeinschaftliches Wirken und Entwickeln sicher. 

Aufbau der Untersuchung der Botanical-Geiste

Photo: Aufbau der Untersuchung der Botanical-Geiste

Daraufhin wurden die folgenden neun verschiedene kommerzielle Gins auf drei Fragstellungen hin sensorisch überprüft:

  1. Gin Sul Hamburg Altonaer Spirituosen Manufaktur O,5 l
  2. Whitley Neill London Dry Gin 0,7l
  3. Thomas Sippel Palatinatus Dry Gin 0,5l
  4. Hendrick’s Gin 0,7l
  5. Clockers Gin 0,5l
  6. Gin 27 Premium Appenzeller Dry Gin 0,7l
  7. Hoos London Gin 0,5l
  8. Monkey 47 Schwarzwald Dry Gin 0,5l
  9. Liebl Bavari Dy Gin 0,7l

Es folgte eine Einordnung der Gin-Intensitäten zu den Elementen, skaliert von 1 bis 9, um das Umsetzungspotenzial der Vier-Elemente-Gin-Idee in Bezug auf den bestehenden Markt sowie das aktuelle Vorhandensein solcher Geschmacksrichtungen zu überprüfen. Die zweite Fragestellung bezog sich auf die Intensität der fünf wichtigsten Gin-Aromen nach Montserrat auf einer Skala von 1-5.

Element Gin von Philipp Hofmann
Grafik 1: Hauptkomponenten-Analyse Pearson (n) der Elementenzuordnung der Gins (n=4) 


Die letzte Überprüfung erfolgte über ein CATA-Verfahren. CATA steht dabei für „Check All That Apply“, das heißt die Prüfer müssen ihre sensorischen Eindrücke vorgegebenen Attributen zuordnen. In diesem Fall wurden 23 Attribute abgefragt. Im Anschluss an die Verkostung wurden den Panelteilnehmern eine themenbezogene Assoziationsaufgabe gestellt. Sie sollten Attribute, Geschmackseigenschaften, Emotionen, Farben und Formen den vier Elementen zuordnen und spezifische Assoziationen für die Verbindung von Getränk und Element sammeln. Die Einordnung der verkosteten, kommerziellen Gins in das erdachte Element-Konzept zeigte, dass es kaum möglich ist, diese Gins mit den vier Elementen zu verknüpfen. Die Tester waren sich bei den Zuordnungen der Gins zu den Elementen zu
uneinig. Sie fügen sich damit nicht in das neue Konzept. Element Gin musste anders werden.

Die grüne Linie in der Grafik 2 entspricht der Zuordnung zu den Elementen, die roten Linien markieren die Intensität der fünf wichtigsten Gin-Aromen und die blaue Linie verdeutlicht die Attribute des CATA-Verfahrens.

Element Gin von Philipp Hofmann
Grafik 2: Multiple Faktoranalyse Pearson (n) der CATA Abfrage(n =23), der Elementezuordnung (n=4)  und der fünf wichtigsten Gin-Aromen (n=5) 

Die Differenzierung der Gruppe Feuer/Erde und der Gruppe Wasser/Luft zeigt sich gut an ihrer Gegenüberstellung in der Grafik. Die Zuordnung von Aromen innerhalb der Gruppen Wasser/Luft und Feuer/Erde machte aber Schwierigkeiten: Diese Paare wurden nämlich teilweise mit den gleichen Botanicals „versehen“. Der Gruppe Wasser/Luft werden eher fruchtige und blumige Aromen, wie Zitrone, sowie die Attribute einfach und innovativ zugeordnet. Die Gruppe Erde/Feuer wird zunächst mit deutlich mehr Attributen verknüpft. Gewürze wie Kardamom, Anis und Pfeffer sind zu erwähnen, ebenso die Eigenschaft „kräuteriges Aroma“. Bei der Assoziationsstudie wurden den Elementen Luft/Wasser relativ ähnliche Attribute wie einfach, erfrischend und fruchtig zugeteilt. Der Erde wurden die Eigenschaften tiefgründig und krautig, dem Feuer wiederum Schärfe und Intensität zugesprochen. Hieraus ließen sich Rückschlüsse auf Alkoholgehalt, die 

Menge der Botanicals und die Geschmacksrichtungen der Elemente ziehen. So sollte für Erde/Feuer mehr Botanicals und höhere Alkoholwerte verwendet werden, während bei der Gruppe Wasser/Luft die Werte verringert wurden.

Zweiter Schritt

Im zweiten Schritt wurde sich auf spezifische Aromen und ihre Elementzugehörigkeit konzentriert. Hierzu wurden aus zuvor erhobenen Daten der Sensorik, typischen Gin-Botanicals und der Experimentierfreudigkeitund dem Ideenreichtum eines Expertenpanels 37 Botanicals ausgewählt,welche einzeln destilliert wurden.Im kleinen Maßstab (Brennblaseinhalt 0,5Liter) wurden diese Botanical-Geiste im Labor mithilfe einer gläsernen wassergekühlten Destillationsapparatur gebrannt. Dazu wurden die Botanical-Mengen jeweils individuell nach Zerkleinerungsgraddes jeweiligen Botanicals angepasst, abgewogenund für 24h Stunden in 60 vol.% Alkohol mazeriert.

Vor der Verkostung der Proben wurdenden Probanden die Ergebnisse der letzten Sensoriktests vorgestellt, um sich dem Thema, der Zuordnung von Geschmack zu den vier Elementen, zu nähern und auf die Verkostung vorzubereiten. Die Proben wurden durch die Tester einer Intensitätsbewertung auf einer Skala von 1-5 zu jedemder vier Elemente bewertet. Im Folgenden werden nur die signifikantesten auswertbaren Botanicals zu den Elementen aufgezählt.

  • Bei dem Element Feuer sind die Botanicals Chili, Ingwer, Paradieskörner, Kardamom, Koriander, Orangenschale, Hopfenblüte, Blutorange, Hagebutte, Patschuliblüte und Anis vorherrschend.

  • Das Element Wasser steht in Verbindung mit Lemongras, Olivenblätter, Limonenminze, Eukalyptus, Hibiskusblüte, Kardamom,Pfefferminze, Rosenaroma, Paradieskörnern,Zitronenschale,Rosmarin und Wacholder.

  • Das Element Erde beinhaltet Thymian, Hagebutte, Süßholzwurzel, Wacholder, Angelikawurzel, Majoran, Rosmarin, Fichtennadeln, Koriander, Patschuli, Ringelblumenblüte, Hopfenblüte, Fenchel, Anis und Kamillenblüte.

  • Dem Element Luft werden zugeordnet:Pfefferminze, Zitronenmelisse, Rosenaroma,Zitronenschale, Lavendel, Eukalyptus,Blutorange, Granatapfel, Lemongrasund Fenchel.

Aus diesen Daten konnte spezifische Botanicalsden einzelnen Elemente-Gins zugordnet werden. Diese Vorbereitungenwaren nötig, um sich an das Test-Blending der Gins zumachen.

Dritter Schritt

Zu Anfang des dritten Arbeitsschrittes wurden die Ergebnisse der vorherigen sensorischen Überprüfungen zusammengeführt, um verschiedene Rezepturen zu entwickeln. Wichtigsten Einfluss darauf hatte die Tabelle mit den spezifischen, signifikanten Aromen der zweiten Verkostung. Aber auch die Ergebnisse der Assoziationsstudie und der ersten Verkostung wurden mit eingebaut. Ein Expertenpanel probierte im kleinen Rahmen mithilfe der erstellten Essenzen aus dem zweiten Versuch unzählige Rezepturen. Ein langer und schwieriger Prozess, an dem mit viel Sorgfalt und Geduld gearbeitet wurde.Für jedes Element wurden zwei Testvarianten gebrannt, welche sich in der Konzentration der Botanicals unterschieden.

Die Version mit der niedrigen Konzentration der Botanicals bestand aus 250 g Wacholderund der dazugehörigen Menge an Botanicals. Die andere Version bestandaus 500 g Wacholder und ebenfalls der doppelten Menge an Botanicals. Die eingewogenen Botanicals der weniger intensiven Version betrugen gerundet 20 % des Gewichts des 96 % vol Alkohols. In 5 Litern 60 % vol Alkohol wurden die Botanicals für 20 Stunden mazeriert und dann gemeinsamin einer 30-Liter-Versuchsanlage des DLR Neustadt an der Weinstraße destilliert. Das Ganze passierte ohne Kolonne und ohne Fraktionierung. Die so entstandenen Raubrände wurden auf 40 % vol Alkohol eingestellt und dem Panel zur Verkostung vorgelegt, daraufhin verkostet.

Drei Fragenstellungen bezüglich der Gins mussten die Probanden beantworten. Unter anderem die Frage nach der Präferenz und den fünf wichtigsten Gin-Aromenauf einer Skala von 1-9. Weiterhin wareine Zuordnung der Gins zu den vier verschiedenen Elementen auf Basis ihrer Intensität notwendig. Die Unterscheidung zwischen Luft/Wasser und der Gruppe Erde/Feuer verlief bei der Zuordnung sehr positiv, während innerhalb der genannten Gruppen nach wie vor Defizite bezüglichder Differenzierung vorhanden waren. Die Elemente Wasser/Luft bzw. Erde/Feuer schienen untereinander als nur schwer unterscheidbar.

Element Gin von Philipp Hofmann
Grafik 3: Spinnennetzdiagramm der Präferenz (n=1) und der fünf wichtigsten Gin-Aromen (n=5), FIZZ ANOVA Fischer LSD

In der Grafik 3 sind nur die ersten beiden Parameter abgebildet. Es fällt auf, dass bei erhöhter Gewürz-, Anis oder Lakritzaromatik die Präferenz der Probanden sank. Die Gins Luft und Wasser stehen mit ihrer prägnanten Zitrus-Ausprägungan an der Spitze der Präferenz. Je leichter, blumiger und zitroniger der Gin, desto mehr gefiel er den Probanden. Es muss erwähnt werden, dass die Proben pur verkostet wurden. Weiterhin war zu beobachten, dass die Varianten mit hoher Konzentration, trotz einer Verdoppelung der Botanicals keine auffallenden Unterschiede zeigten. Es bleibt zu beachten, dass Gin hauptsächlich als Grundlage von Mischgetränken genutzt wird und sich durchaus kräuterigen Aromen in einem Gin Tonic besser darstellen können, als sie es im direkten, puren Vergleich zeigen konnten.

Die Verfeinerung

Bedingt durch einige Fehler bei der ersten Destillation, wie der fehlende Fraktionierung, und den Ergebnissen der Verkostung der Elemente-Gins wurdeneine weitere verfeinerte Version erstellt. Bei dieser Version wurden drei Glockenböden genutzt. Die so entstandenen Brände waren harmonischer und hatten sich ihres ruppigen, rauen und unfertigen Charakters entledigt. Der Mittellauf wurde bis zu einem Alkoholgehalt von 78 % vol Alkohol abgetrennt. Der Nachlauf wurden in kleine Fraktionen unterteilt und einzeln sensorisch überprüft. Weiterhin wurde der Einsatz der Botanicals verringert. Man konnte aus den vorliegenden Ergebnissen ablesen, dass ein hoher Einsatz unnötig war. Rezepturen wurden angepasst, um störende Aromen bestimmter Botanicals, welche nun anhand der feineren Brandtechnik herausstachen, zu beseitigen. All diese Maßnahmen führten zu weitaus feineren Bränden, die nicht mehr im Rahmen des Projekts sensorisch überprüft werden konnten.

Ausstattung

Ein wichtiger Faktor war die Weiterentwicklung des Konzepts zu einer gesamtheitliche Außendarstellung des Produkts. Das Vier-Elemente-Gin-Projekt nahm Anleihen an bestehende Gin-Designelemente, wie zum Beispiel dem minimalistischen und puristischen Design vieler Gin-Etiketten und schuf durch den Bezug auf die vier Elemente doch ein neues Designkonzept. Es spiegelt sich in allen Bestandteilen der Produktausstattung und Verpackung, von den Etiketten bis zur Verpackung, wider.

Element Gin von Philipp Hofmann
Photo: Die vier Flaschen mit den einzelnen Elementen Erde, Luft, Wasser und Feuer


Der Bezug zuden vier Elementen und der antiken, griechischen Kultur wird durch die Gestaltung deutlich hergestellt. Der obere Teil der Etiketten symbolisiert das Dach eines Tempels, der Mittelteil ist dem eigentlichen Heiligtum in Form des jeweiligen Elements gewidmet und der untere Abschnitt bildet die Basis.Das Neuartige ist nun die Verknüpfung der vier Elemente mit einem Getränk, das dem Genießer ihr Wesen auf eine einzigartige sensorische Weisenäher bringt.

Das Rückenetikett, auf dem die im Produkt erkennbaren Bestandteile und Aromen des Gins genannt werden, sorgt für eine gesteigerte Verbindung zum Element und dem Produkt an sich. Es wird zugänglicher. Die Verpackung führt das Konzept der Verknüpfung von Antike mit modernem Minimalismus weiter. Ein Karton des Element Gin wird eine Flasche jeden Elements mit 200-ml-Fassungsvermögen beinhalten. Der hohe „Spielwert“ der Gins ist ihren vielfältigen experimentierfreudigen Verwendungsmöglichkeiten geschuldet.

Element Gin von Philipp Hofmann
Photo: Verkaufsverpackung Element Gin

Der Verbraucher kann die Gins untereinander mischenund damit seine persönlichen Präferenzen einfließen lassen. Er kann das Getränk genau auf seinen Geschmack abstimmen. Im Sinne der aktuellen Beliebtheitvon DIY (do-it-yourself), welches im weitesten Sinne auch auf Kombination von Getränken zutrifft, ist das ein wichtiger Vermarktungsvorteil. All diese Maßnahmen machen das fertige Produkt zu mehr als einem herkömmlichen Gin. Aus dem Vier-Elemente-Paket wird ein Erlebnis. Durch aktives Probieren und Experimentieren wird das Produkt zur Eigenkreation des Kunden. Das steigert die Identifikation mit ihm. Der Elemente-Gin macht deutlich: Um erfolgreiche Produkte auf dem Markt zu etablieren, sollte neben Geschichten rund ums Produkt, ebenfalls ein Erlebnis transportiert werden. Denn ein Produkt muss einen emotionalen Mehrwert bieten.

Text und Grafiken: Philipp Hofmann
Bild: Dominik Hezinger

Element Gin Webseite

www.elementgin.com

 

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